Vorstand macht Angebote für alle Bauabschnitte
Zu Beginn der sechsten Generalversammlung der nahwärme-eichkamp.berlin eG am 23. Juni 2026, an der ca. die Hälfte der Mitglieder teilnahmen, berichtete der Vorstand über den Stand der verschiedenen Förderanträge.
Bundesförderung effiziente Wärmenetze
Vorstandsmitglied Sabine Drewes führte aus, dass seit Ende Mai, deutlich früher als erwartet, ein Zuwendungsbescheid de BAFA für eine Machbarkeitsstudie im Rahmen der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (Modul 1) vorliegt. Der Vorstand hatte im Januar einen Antrag für eine Machbarkeitsstudie über alle Bauabschnitte gestellt, da die BENE 2-Förderung weiterhin unsicher war (und ist). Der Antrag wurde mit dem Angebot einer Bietergemeinschaft aus dem Ingenieurbüro watts sustainable und der Firma geoENERGIE Konzept gestellt (wir berichteten), die von drei Angeboten das wirtschaftlichste abgegeben hatten. Albert Dietrich, einer der Geschäftsführer von watts sustainable, war bei der Generalversammlung zu Gast. Er stellte später ein drittes Versorgungskonzept vor, das der Vorstand für den dritten Bauabschnitt verfolgt (s.u.).
Bei der BEW-Förderung beträgt die Zuwendung immer 50%, egal, wie umfangreich die Machbarkeitsstudie wird. Auch wenn die Genossenschaft sich entschließt, nur den 2. Bauabschnitt (Zikadenweg plus Seitenstraßen) mit BEW umzusetzen, ist damit zu rechnen, dass noch 60.000 € Eigenkapital von der Genossenschaft aufgebracht werden muss. Leider ist keine der vier Banken, mit der der Vorstand gesprochen hat, zu einer Kreditfinanzierung von Machbarkeitsstudien bereit. Falls weiterhin ein Wärmenetz über BEW umgesetzt werden soll, wäre es notwendig, zusätzliches Eigenkapital (Stiftungsgelder, Mitgliederdarlehen oder Zusatzzahlung der Mitglieder) zu akquirieren.
BENE 2
Leider liegt 16 Monate nachdem der Vorstand eine Projektskizze beim Berliner Förderprogramm BENE 2 eingereicht hat immer noch keine Einladung zur Antragstellung vor. Am 9. Juni hat die Genossenschaft allerdings eine Mitteilung von SenMVKU erhalten: „Durch Ihre Mitteilung, dass (…) auch eine BENE 2-Förderung mit einer Förderquote von 40 % auskömmlich sein könnte, hat sich nun eine neue Möglichkeit eröffnet, die gute Aussichten auf eine Förderung in BENE 2 bietet. (…) Ihr Vorhaben hat durch den vorgesehenen Beitrag zur Wärmewende und den innovativen Charakter der Umsetzung eines Nahwärmenetzes durch eine Bürgerenergiegenossenschaft eine hohe Priorität und wir bemühen uns, Ihnen zeitnah eine finale Rückmeldung zu geben.“
Über die immer noch nicht beendete Hängepartie bei BENE 2 haben wir ausführlich berichtet. Im vergangenen Jahr wurde das Programm mit dem Hinweis auf die Haushaltsberatungen 2026/27 gestoppt. Der Vorstand hat daraufhin auf unterschiedlichste Weise Lobbyarbeit für den Fortbestand des Programms und die Förderung der Nahwärme im Eichkamp betrieben: Podiumsdiskussionen, Stellungsnahmen an Abgeordnete und Staatssekretäre, Wortmeldungen bei externen Veranstaltungen. Gegen Ende des Jahres hieß es, es sollten noch 5 Mrd. € aus dem Sondervermögen des Bundes über einen längeren Zeitraum in den Berliner Haushalt fließen und BENE 2 sollte davon profitieren. Ersteres ist offensichtlich passiert, allerdings ist wohl auch nach knapp sechs Monaten immer noch unklar ob und wie tatsächlich Geld in den BENE 2-Topf fließt und ob auch private Initiativen wie unsere davon etwas abbekommen.
Im März dieses Jahres schließlich wurden wir gefragt, ob wir den Förderantrag aufrecht erhalten wollen und welchen Fördersatz wir benötigen. Da wir bei BENE 2 von vornherein Investitionskostenförderung beantragt haben und für ein Bauvorhaben (im Gegensatz zu Machbarkeitsstudien) auch ein Bankdarlehen bekommen würden, können wir den Förderantrag bei diesem Programm nicht zurückziehen. Daher haben uns mit einer 40%-Förderung einverstanden erklärt. Den ersten Bauabschnitt (nördlicher Eichkatzweg + Teile vom Maikäferpfad) beabsichtigt der Vorstand weiterhin mit BENE 2 umzusetzen.
Gebäudenetze, förderbar durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)
Im Bauabschnitt 3 (südlicher Eichkatzweg, Alte Allee, Kiefernweg) sind die Mitglieder in Clustern verteilt, die Belegungsdichte ist allerdings geringer. Für diesen Fall, so erläuterte Sabine Drewes, hat der Vorstand vom Ingenieurbüro watts Gebäudenetze als neues Versorgungsmodell erarbeiten lassen. Diese Gebäudenetze werden nicht über BEW, sondern über die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) gefördert. Es ist im Prinzip möglich, den ganz überwiegenden Teil der Mitglieder und weitere Interessierte über diese (relativ kleinen) Gebäudenetze zu versorgen, sobald diese sich mit zwei und bis zu 16 mehr oder weniger aneinandergrenzenden Gebäuden zu Clustern zusammenschließen.
Albert Dietrich von watts sustainable verdeutlichte das Modell. Die Bohrungen werden dabei nicht im öffentlichen Straßenland gesetzt, sondern auf den Grundstücken der zu versorgenden Mitglieder. Innerhalb der Genossenschaft gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Die Genossenschaft tritt als Vollversorger auf. In diesem Fall stellt die Genossenschaft die Erdwärmesonden, Leitungen zum Haus und die Wärmepumpen inkl. Speicher und Messtechnik im Haus. Die Genossenschaft liefert Wärme; das Modell ist rundum sorglos. Die Mitglieder müssen, wie zu Beginn der Genossenschaftsgründung kommuniziert, einen Beitrag von 13.000 € netto zahlen (15.470 € brutto) sowie 21,1 Cent brutto pro Kilowattstunde Wärme (Mischpreis). Das liegt auf jedem Fall unter dem Niveau, der zuvor für das warme Netz kommuniziert wurde (19,5 Ct/kWh netto = 23,2 Ct/kWh brutto). Bei einem Wärmebedarf von 20.000 Kilowattstunden im belaufen sich die jährlichen Kosten auf 3.553 € brutto. Der Nachteil dieser Variante ist, dass die Förderung lediglich bei 30 Prozent auf alle Komponenten liegt.
2. Die Genossenschaft ist Bereitstellerin. Hierbei würde sie nur die Außenanlagen (Geothermiebohrungen + Erdsonden) zur Verfügung stellen. Wärmepumpe, Speicher und Nebenanlagen befinden sich im Eigentum des Mitglieds. Der Vorteil dieser Variante besteht darin, dass die Förderung für die Wärmepumpe plus Zubehör beim Anschlussnehmer liegt und bis zu 55 % beträgt. Das Preismodell sieht folglich anders aus: Der/die Eigentümer*in zahlt zunächst die Kosten für die Wärmepumpe. Er/sie erhält in der Regel 55 Prozent der Kosten als Förderung von der KfW zurück. Zusätzlich zahlt er/sie einmal 5.900 brutto Planungskosten an die Genossenschaft. Unter dem Strich beläuft sich das ebenfalls auf insgesamt 15.470 € brutto (wie Anschlusskosten bei Variante 1). Als laufende Kosten zahlt man 1.444 € Anlagenpacht pro Jahr inkl. Verwaltungskosten an die Genossenschaft. Zusätzlich müssen die Mitglieder ihren eigenen Wärmepumpenstrom einkaufen.
Das Bereitstellermodell ist die preisgünstigste der betrachteten Varianten, nach 10 Jahren auch im Vergleich zur Eigenversorgung mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Allerdings müssen die Mitglieder hier die Förderung für die Wärmepumpe selbst (mit Unterstützung der Genossenschaft) beantragen. Die Genossenschaft haftet allerdings nicht für die Funktionsfähigkeit der Wärmepumpe.
Beide Varianten lassen sich im Vergleich zu den Wärmenetz-Lösungen relativ schnell umsetzen; bis zur Realisierung dauert es nur ca. ein Jahr.
Vorschlag des Vorstandes und Diskussion
Sabine Drewes stellte den Vorschlag des Vorstandes zum Umgang mit diesen Varianten vor. Sie betonte zuvor, dass bei der laufenden Generalversammlung keine Entscheidung getroffen, sondern lediglich ein Meinungsbild erstellt würde. Die Informationen werden noch einmal schriftlich aufbereitet und an 1-2 extra Terminen im August den Genossenschaftsmitgliedern erläutert. Ein entsprechender Beschluss wird auf einer außerordentlichen Generalversammlung gefasst.
Der Vorstand schlägt für jeden Bauabschnitt eine eigenen Umsetzungsvariante vor: Bauabschnitt 1 soll weiter mit dem Programm BENE 2 umgesetzt werden, sofern bis zur Abstimmung im September eine Einladung zur Antragstellung vorliegt. Der Fördersatz entspricht dem anderer Programme. Große Vorteile liegen darin, dass die Genossenschaft bei diesem Programm keine Machbarkeitsstudie mehr beauftragen muss, dieses Vorhaben darlehensfähig ist und die Umsetzung relativ schnell erfolgen kann. Falls die Förderung über BENE 2 doch nicht funktioniert, stünden die Mitglieder des ersten Bauabschnitts vor derselben Entscheidung wie die im Bauabschnitt 2.
Für Bauabschnitt 2 schlägt der Vorstand die Realisierung mit BEW vor. Die Machbarkeitsstudie kann sofort begonnen werden, da der Zuwendungsbescheid vorliegt. Diese Variante gleicht am ehesten der ursprünglichen Versorgungsidee (Netz in der Straße, rundum sorglos). Der Nachteil ist, dass in dem Fall, dass der Eigenanteil der Genossenschaft an den Kosten der Machbarkeitsstudie nicht von Dritten aufgebracht werden kann, pro Mitglied zur Eigenkapitaldeckung für die Machbarkeitsstudie noch ca. 800 – 1.000 € aufgebracht werden müssen. Eine wirtschaftliche Umsetzung zu den derzeit kommunizierten Bedingungen kann darüber hinaus nicht garantiert werden. Daher kann der Vorstand auch nachvollziehen, wenn sich die Genossenschaftsmitglieder für Bauabschnitt 2 – und ggf. auch für Bauabschnitt 1- mehrheitlich für die Variante kleiner Gebäudenetze entscheidet.
Beim Bauabschnitt 3 ist vorhersehbar, dass mit der momentanen Anschlussquote ein Wärmenetz in der Straße unwirtschaftlich ist. Wegen der besseren Wirtschaftlichkeit schlägt der Vorstand hier vor, Gebäudenetze nach BEG im Bereitstellermodell für Gebäudecluster umzusetzen. Selbstverständlich können auch Mitglieder bei angrenzenden Grundstücken hinzugewonnen werden. Auch hier kann eine Umsetzung relativ zügig erfolgen (ab dem Zeitpunkt der Entscheidung innerhalb eines Jahres).
Die anwesenden Mitglieder diskutierten diesen Vorschlag in drei Kleingruppen. Anschließend wurde das Meinungsbild getrennt nach den Bauabschnitten 1 + 2 auf der einen und Bauabschnitt 3 auf der anderen Seite durchgeführt. Die Mitglieder aus BA 1+2 wurde gebeten, ihre Zustimmung bzw. Ablehnung der Umsetzung eines Wärmenetzes nach BEW zu signalisieren, auch unter der Bedingung, dass eventuell ein Zusatzbeitrag zur Machbarkeitsstudie von ca. 800 € bis 1.000 € pro Mitglied erhoben wird. 33 Personen stimmten dafür, niemand enthielt sich oder stimmte dagegen. Anschließend wurden die Mitglieder des Bauabschnitts 3 gefragt ob sie den Zusatzbeitrags für die BEW-Machbarkeitsstudie mitfinanzieren würden, obwohl sie davon nicht profitierten. 3 Personen stimmten dem zu, niemand enthielt sich oder stimmte dagegen. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ und somit unverbindlich. Der Vorstand wird den Beschluss zur Generalversammlung im September präziser ausarbeiten. Auf dieser außerordentlichen Generalversammlung wird verbindlich über das weitere Vorgehen abgestimmt. Im August wird es weitere Angebote zur Meinungsbildung geben.
Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig entlastet
Auf der Generalversammlung ist bis Ende Juni eines Jahres immer auch der Jahresabschluss der Genossenschaft zu erläutern und festzustellen. Vorstandsmitglied Reiner Wild hat den anwesenden Genossenschaftsmitgliedern den Jahresabschluss erläutert. Die Bilanzsumme beträgt etwas mehr als 60.000,- EUR. Die vom Genossenschaftsverband monierten Punkte aus dem Jahresabschluss 2024 wurden beseitigt. Da die Genossenschaft wegen fehlenden Wirtschaftsbetriebes in 2025 – es kann ja noch keine Wärme geliefert werden – daraus keine Einnahmen erzielen konnte, ergab sich für das Geschäftsjahr ein Fehlbetrag aus der Gewinn- und Verlustrechnung, der aus dem Gewinnvortrag von 2024 weitgehend kompensiert werden konnte. Ein mittlerer dreistelliger Betrag muss aber rechnerisch aus der Eigenkapitalrücklage (Eintrittsgelder) generiert werden. Die Mitglieder unterstützten diesen Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig. Zuvor trug der Aufsichtsratsvorsitzende Hartwig Willert die Stellungnahme des Aufsichtsrates zum Jahresabschluss vor. Er lobte die Arbeit des Vorstandes und bezeichnete die Zusammenarbeit von Vorstand und Aufsichtsrat als hervorragend. Der Jahresabschluss 2025 wurde von den Genossenschaftsmitgliedern einstimmig festgestellt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden ohne Gegenstimmen entlastet.
Für mehr Informationen steht der Vorstand der Genossenschaft gerne zur Verfügung. Kontakt: info@nahwaerme-eichkamp.berlin